Immaterielle Wirtschaftsgüter

Immaterielle Vermögenswerte sind ein wichtiger Bestandteil Ihrer Finanzen. In diesem Beitrag geht es um die Grundlagen der immateriellen Vermögenswerte, warum sie wichtig sind und wie Sie sie erfassen können.

Wir kennen den Firmenwagen, die Betriebs- und Geschäftsausstattung und das Bürogebäude. Hierbei handelt es sich um materielle Gegenstände, die in der Bilanz eines Unternehmens ausgewiesen werden müssen. Diese Gegenstände sind körperlich vorhanden.

Was aber ist mit dem Geschäftswert, Patenten, Konzessionen oder einem Kundenstamm? Hierbei handelt es sich um sogenannte immaterielle Wirtschaftsgüter. Obwohl diese Gegenstände körperlich nicht fassbar sind, müssen sie in Ihrer Rechnungslegung erfasst werden.

Wissen Sie, worum es sich bei immateriellen Wirtschaftsgütern handelt, können Sie diese gezielt für Ihren Betrieb einsetzen und buchhalterisch korrekt behandeln.

Definition: Was sind immaterielle Wirtschaftsgüter?

Anders als eine Produktionsmaschine oder ein Computer sind immaterielle Wirtschaftsgüter physisch nicht vorhanden. Werden diese Gegenstände von einem Unternehmen genutzt, müssen sie bilanzrechtlich behandelt werden. Ob eine Aktivierung der immateriellen Vermögenswerte im Anlagevermögen einer Bilanz in Betracht kommt, hängt davon ab, ob der immaterielle Vermögenswert entgeltlich erworben wurde oder nicht.

Beispiel:

Eine Aktiengesellschaft kauft eine GmbH auf. Der Verkaufspreis beträgt 1,2 Millionen Euro. Die Kalkulation wurde auf Basis des Geschäftswerts vorgenommen. Da dieser entgeltlich erworben wurde, muss der immaterielle Vermögenswert in der Bilanz der Aktiengesellschaft aufgenommen werden. Bei dem Kundenstamm und den Namen, den die Aktiengesellschaft auf dem Markt hat, handelt es sich dagegen um selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte. Diese dürfen nicht im Anlagevermögen der Unternehmensbilanz ausgewiesen werden.

Zu den immateriellen Vermögensgegenständen zählen z.B.:

  • Marken- und Urheberrechte
  • Konzessionen, Lizenzen und Patente
  • Vorkaufsrechte, Vertriebsrechte und Wettbewerbsrechte
  • Geschäftswerte

Warum sind immaterielle Wirtschaftsgüter wichtig?

Immaterielle Wirtschaftsgüter haben für jedes Unternehmen eine individuelle Bedeutung. So geht z. B. der Geschäftswert eines Unternehmens über den reinen Substanzwert hinaus. Bei einer Betriebsveräußerung bildet er die Grundlage für den Verkaufspreis.

Verfügt ein Unternehmen über einen breiten Kundenstamm, kann es sich gegenüber der Konkurrenz durchsetzen und die eigenen Produkte besser vermarkten. Darüber hinaus haben auch Patente, Konzessionen und Lizenzen für die besitzenden Unternehmen eine bestimmte Bedeutung. Denn hierauf gründet sich die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg.

Welche Arten von immateriellen Vermögenswerten gibt es?

Immaterielle Vermögensgegenstände können in die folgenden drei Arten unterteilt werden:

  • Konzessionen, Lizenzen und Rechte
  • Geschäftswert und sonstige Firmenwerte (z. B. der Kundenstamm oder der Name des Unternehmens)
  • Immaterielle Vermögenswerte, die entgeltlich erworben wurden oder die das Unternehmen selbst hergestellt hat

Besonders wichtig ist die Unterscheidung nach den entgeltlich erworbenen immateriellen Vermögenswerten und denen, die das Unternehmen selbst hergestellt oder entwickelt hat. Denn für selbst entwickelte (originäre) Vermögenswerte müssen Sie andere Bilanzierungsvorschriften beachten als für die entgeltlich erworbenen (derivativen) immateriellen Vermögensgegenstände.

Immaterielle Vermögenswerte: Aktivierungsgebot, Aktivierungsverbot und Aktivierungswahlrecht

Hinsichtlich des Ausweises in einer Bilanz können für immaterielle Vermögensgegenstände sowohl Aktivierungsgebote, Aktivierungsverbote als auch Aktivierungswahlrechte gelten.

Bei den Aktivierungsgeboten ist eine Bilanzausweis Pflicht. Dies gilt für alle immateriellen Wirtschaftsgüter, die entgeltlich erworben wurden. Um welche immateriellen Wirtschaftsgüter es sich handelt, ist hierbei ohne Bedeutung.

Gelten für bestimmte immaterielle Vermögenswerte Aktivierungsverbote, darf ein Ausweis in der Bilanz nicht vorgenommen werden. Das Aktivierungsverbot ergibt sich aus der Vorschrift des § 248 HGB. Von dem Aktivierungsverbot sind z. B. selbstgeschaffene Marken, Kundenlisten oder Verlagsrechte betroffen.

Für bestimmte immaterielle Vermögenswerte hat der Gesetzgeber Aktivierungswahlrechte geschaffen. Dies ist z. B. der Fall, wenn ein Unternehmen die Entwicklungskosten für ein neues Produkt in der Bilanz unterbringen möchte. Das Unternehmen entscheidet selbst, ob die Entwicklungskosten aktiviert werden oder nicht.

Wie werden immaterielle Vermögenswerte bewertet?

Ebenso wie die materiellen Vermögensgegenstände zählen auch immaterielle Wirtschaftsgüter zu dem betrieblichen Anlagevermögen einer Bilanz. Besteht für die derivativen immateriellen Vermögenswerte ein Aktivierungsgebot oder übt der Unternehmer ein Aktivierungswahlrecht aus, müssen handelsrechtliche und steuerrechtliche Bilanzierungsregeln beachtet werden.

Für die Bewertung bedeutet dies, dass die immateriellen Vermögenswerte zunächst mit ihren Anschaffungskosten aktiviert werden. Da die betriebliche Nutzung von immateriellen Vermögenswerten zeitlich eingeschränkt ist, müssen diese planmäßig abgeschrieben werden.

Für die Abschreibung eines Geschäftswerts ergibt sich hierbei handels- und steuerrechtlich eine abweichende Behandlung. Handelsrechtlich erfolgt die Abschreibung auf der Grundlage der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer. Das Steuerrecht sieht hingegen vor, dass der Geschäftswert über 15 Jahre planmäßig abgeschrieben wird.

Beispiele: Wie setzen Unternehmen ihre immateriellen Vermögensgegenstände erfolgreich ein?

Werden immaterielle Wirtschaftsgüter gezielt eingesetzt, können sie den Betriebsinhaber bei der Umsetzung seiner betrieblichen Ziele erfolgreich unterstützen.

Bei Verkaufsverhandlungen lässt sich anhand des Geschäftswerts der Verkaufspreis kalkulieren.

Hat das Unternehmen im Laufe seines Bestehens einen großen Kundenstamm geschaffen, kann es auf diesen zurückgreifen, wenn es z. B. ein neues Produkt auf den Markt bringt.

Urheberrechte verhelfen den gedanklichen Vätern eines Textes oder eines Buchs dazu, dass diese von keinem anderen veröffentlicht würden. Nutzt ein Autor z. B. denselben Titel für seinen Roman kann er von dem Urheber auf Schadenersatz verklagt werden.

Schlusswort

Im voranstehenden Text haben wir Ihnen immaterielle Wirtschaftsgüter und deren Behandlung innerhalb einer Bilanz vorgestellt. Haben Sie weitere Fragen oder können wir Sie zu einem anderen steuerlichen Thema beraten, nehmen Sie Kontakt zu uns auf. Nutzen Sie hierfür gerne die Kommentarfunktion.

Engin Kilit

Engin Kilit

Geschäftsführer eSteuerberatung.com

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